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Häutungen

Der Frühling ist ausgebrochen, es treibt die Leute aus dem Haus. So auch Julia und mich. Wir hatten uns für heute für so quasi zu einer Touri-Tour durch Heidelberg verabredet: Hauptstrasse (Deutschlands längste zusammenhängende Fussgängerzone), Bergbahn, Schloss, Apotheken-Museum, grosses Fass und einkehren in einer Chocolaterie.

Eingang des Schlosses, links Julia.
Eingang des Schlosses, links Julia.

Wir sehen uns nicht so oft (weil wir an sehr verschiedenen Orten wohnen) und so fiel es mir richtig auf: Ich habe mich innerlich gehäutet.
Nicht mehr diese (mords) innere Anspannung, sondern viel gelassener. Ab und zu kommt noch ein Anflug von früherer Haltung auf, aber ich kann jetzt darauf vertrauen, dass das passé ist.

Blick vom Schloss auf die alte Brücke, der Himmel war bedeckt.
Blick vom Schloss auf die alte Brücke, der Himmel war bedeckt.

Bin ich froh. Auch beim Stricken merke ich das. Ich stricke viel ruhiger und gelassener, mit einer ganz anderen Attitude als früher, vor nicht allzu langer Zeit. So schlimm wie beim Bücherlesen ist es nicht (ich war zu früheren Zeiten der reinste Bücherwurm, heute lese ich viel weniger und in der Hauptsache Sachbücher), doch ich merke es.

Die Spinnerliga oder: Aliens gibt es.

Ich habe beschlossen, diejenigen, die meinen Vater zum Spielball machten (und am liebsten die ganze Familie mit) sind Aliens. Die leben auf irgendeinem anderen Planeten. Machen hier Station, bringen alles durcheinander und an den Rand des Lebens. Erkennen nichts und zeigen sich auch nicht verantwortlich.

Seit ich beschlossen habe, diese Leute so zu nennen, so zu klassifizieren, ist mir wohler. Ständig hatte ich das Gefühl / die Erwartung mit mir rumgetragen, dass alles möglich sei, wenn man Menschen kennenlerne, auch das vollkommen Unerwartete, Undenkbare, … Weil es über meinen Verstand und mein Fassungsvermögen hinausgeht, zu welchen Leuten mein Vater so falsch abgebogen ist. So viel Fantasie habe ich nicht, es geht über meinen Verstand.

Ich denke z.B. an die Kommilitonen, die es ihm ermöglicht haben … Nein, ihn wohl geradezu gedrängt haben müssen, mir hinterzugehen an mein neues Domizil. Was dem Mann tatsächlich half, das war (ist) ihnen egal. Darum kümmern sie sich nicht. Darum haben sie sich nie gekümmert.

Die Spinnerliga ist das oder eben Aliens. Verschwörungspraktiker hatte ich sie auch schon genannt, als Steigerung von Verschwörungstheoretikern. Jeder weiss, dass letztere voll in ihre Theorien eingesponnen sind, bar der Realität, dass man ihnen aber auch nicht beikommen kann. Sie halten sich für erleuchtet, glauben, sie seien im alleinigen Besitz der Wahrheit.

Auf der Suche nach dem Grün.

Nach Gelb und Rosa hatte ich mich für die Farbe Grün als fotografische Achtsamkeitsübung entschieden. Auch hier wieder: Im Winter was echt schweres. Pflanzen sind grün. Aber die Menschen, die tragen in der Regel grau, dunkelblau, dunkelbraun, schwarz. Und auch sonst findet sich nicht viel grün. Grün fällt auch nicht so auf. Bei Gelb konnte ich mir merken, dass ich nach Licht zu gucken hatte. Aber Grün? Ich konnte mir das einfach nicht merken, konnte mich nicht darauf fokussieren. Ständig hatte ich es vergessen.

Grüne Tasse mit grünem Kräutertee.
Different shades of green.

Zu guter Letzt dann das Foto vom Frühstück beim Bäcker. Das Glas ist schon grünlich, die Flüssigkeit darin Kräutertee. Das ergibt different shades of green.

Winterzeit ist Teezeit.

„Tee muss einfach sein im Winter,“ meint eine gute Freundin zu mir. Ich habe mir meinen Halswärmer-Tee geschnappt und mir nacheinander mehrere Kannen davon gemacht. Mein Hals hat es zwar nicht nötig, wohl aber meine Nase und meine Nebenhöhlen, und der Thymian und der Ingwer, die drin sind, wirken auch dafür. (Süssholzwurzeln und Orangenschalen sind auch noch drin.) Ich habe eine Erkältung (keinen grippalen Infekt) und befinde mich auf dem Wege der Besserung, auch dank Ruhe geben und eben viel trinken.
Spasseshalber habe ich im Internet ein bisschen nach dem Halswärmer-Tee gesucht. Ich dachte immer, das sei ein geschützter Begriff eines bestimmten Herstellers, aber das stimmt anscheinend nicht! Es gibt ihn von mehreren Herstellern, dann natürlich auch in anderer Zusammensetzung.

Keine Angst vor einer kreativen Blockade.

In seinem Buch „Im Augenblick – Ein Wegweiser zu achtsamer Fotografie“ geht Paul Sanders auch auf Fotografierblockaden ein und wie man damit umgeht (Seiten 167 ff.).

Er empfiehlt sozusagen „locker vom Hocker“, also die Blockade einfach anzunehmen. Das nehme einen enormen Erwartungsdruck von einem, jede Menge Last. Man mache einfach was anderes in der Zeit.

Da spricht er mir aus dem Herzen.
Es soll Freude machen, kein Zwang sein.