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Da ging der Bach den Bach hinunter.

Sprich: Im Streichquartett ist es nicht so gern gesehen, wenn ich den Leuten die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach zumute.

Zu Jugendorchesterzeiten hatten wir die Fugen 1, 4 und 9 gespielt und so dachte ich, das könne ich wieder aufleben lassen. Zumal ich Bach liebe. Aber für ein Streichquartett ist es aufgrund des fehlenden Dirigenten blöd. Wir hatten ein (altes, der Lautstärke wegen) Metronom in die Mitte gestellt, aber da fehlte uns immer die Eins. Und vielleicht einer, der den Einsatz gibt, wenn das Thema (oder der Kontrapunkt) kommt in der eigenen Stimme.

Ausserdem habe ich gelernt, dass viele Leute gar nicht gerne zählen. Ich selbst zähle immer, habe mir das in langen Jahren Orchestererfahrung und Dirigentenerfahrung angewöhnt. Ohne zählen geht es nicht. Bei Bach schon gleich gar nicht. Er erfordert sehr genaues Taktgefühl. Irgendwie gehört für mich das Zählen bei ihm (und auch bei anderen) dazu und man bekommt das nach mehrmaligen Üben ins Gefühl, es gehört zum Stück dazu.

Nun denn, ich werde wohl niemals mehr wieder die „Kunst der Fuge“ spielen. Schade.

Konzert mit Charme.

Am Montag abend habe ich in einem Konzert mit Charme mitgespielt. Es war das zweite Mal, dass ich in diesem Ensemble ein Konzert mitgespielt habe und diesmal nahm ich es bewusster wahr. Das Ensemble ist ein herzliches, meist älteren Datums, und alle haben sie genug vom Jahrmarkt der Eitelkeiten, den man in den Künsten (nicht nur in der Musik) so oft findet. Also, ein herzliches Ensemble und der Leiter ist ein charmanter Mann, der Menschen von Herzen mag.

Das merkte man dann auch dem Konzert an, nicht nur an den netten Ansagen und Einleitungen. Denn als wir uns uneins waren über eine Wiederholung – die einen spielten sie, die anderen nicht – da hat er einfach non-chalant unterbrochen und gesagt (!), dass wir das da capo nochmal spielen.
Für mich hat das seinen ganz eigenen Charme und die Gäste waren davon auch nicht abgetörnt, sondern sie hörten gerne zu und blieben hinterher so ziemlich alle noch zusammen mit uns am von uns gestellten Buffet mit netten und herzlichen Gesprächen.

„Na los, stell mir Fragen.“

Das singt Cäthe in ihrem Stück So oder so. Zur Zeit spukt es mir im Kopf herum, also habe ich es rausgesucht.

Fragen werden viele gestellt in dieser KI-Zeit. Doch ist es richtig, sich mit der KI zu unterhalten?

Auf hr2 habe ich gestern (oder vorgestern) was gehört, was mich nachdenklich gemacht hat. Der Radiomensch erzählte, dass er mit einem sehr guten Freund unterwegs war. Für ihn überraschend hat dieser Freund die ganze Zeit die KI befragt. Sie kamen darüber ins Gespräch und der Radiomensch fragte den Freund, wieso er das mache. Die Antwort war, es würde Zeit sparen. Der Radiomensch war perplex. Denn es spart zwar Zeit, aber das Denkvermögen, das wichtige, wird nicht geschult, bleibt aussen vor.
Das wiederum finde ich einen wichtigen Gedankenanstoss.

Narzissmus wird oft als „toxische Männlichkeit“ beschrieben.

So erklärt mir der Deutschlandfunk. Als Verhaltensweisen treffe man dabei auf:
- Dominanzstreben
- Abwertung
- Wut
- Abwehr von allem, was als “schwach“ gilt

Diese „toxische Männlichkeit“ betreffe auch Frauen. Erst wird im Text auf Beate Zschäpe, Alice Weidel und Co eingegangen, dann aber wird betont, dass Frauen dieses Dominanzstreben bei Männern oft nicht nur tolerierten, sondern suchen und unterstützen.

Da bricht mir der Text. So, wie ich das erlebt habe und erlebe, sind Frauen oft selbst Akteurinnen des Dominanzstrebens, nicht einfach nur das Weibchen, das sich anlehnt.

Doch zunächst mal: Ich habe nun endlich Begriffe/Beschreibungen von Narzissmus, mit denen ich etwas anfangen kann. Sonst habe ich von Narzissmus gelesen, konnte mit den Beschreibungen aber nichts anfangen. Auf die Selbstliebe wird in der Regel abgehoben. Aber können diese Menschen überhaupt lieben? Ich weiss es nicht. Ich kann es nicht erkennen. Stattdessen ist viel Gewalt im Spiel.

Meine Gedanken wandern weiter, als erstes natürlich zu meinem Vater. Der hatte nicht nur FASD, der war auch Narzisst. Was das Ganze sehr bizarr machte. Man denke sich einen Menschen, der sich nicht mal den Kaffee selbst machen konnte (im Ernst nicht, das war keine konservative Rollenverteilung), aber dann dominierend und alles andere als schwach sein wollte.
Nun wundere ich mich nicht mehr, wie bizarr das alles war.

Ich denke an Hartmut, der letztes Jahr verstorbene Freund. Manisch-depressiv war er und hat mir erklärt, dass Frauen an ihm seine manischen Phasen gut fanden, wenn er „härter“ und „dominanter“ drauf war. Und dass er diese Vorliebe nicht verstanden habe.

Da kommt mir meine Verwandtschaft in den Sinn. Wie viele davon bis heute meinen Vater unterstützen (der schon längst verstorben ist). Kein Nachdenken, nichts. Es sind in der Regel Frauen, die ihn unterstützen.
Bei einer hatte ich vor ca. 5 Jahren mal einiges klar gestellt, im guten Glauben, nach all den Jahrzehnten komme man doch ins Nachdenken und es schwäche sich manches ab und kläre sich. Pustekuchen! Stattdessen hiess es, ich hätte es ihr gegeben.
Ich habe das wiederum nicht verstanden, denn ich hatte einfach von Realitäten geredet, war nicht auf Angriff aus.
Aber mit den Begriffen/Beschreibungen von Narzissmus oben verstehe ich das nun.

Kennt Ihr das Modelabel „armed Angels“? Ich lese da immer „arme Dangels“ und wenn ich mir so meine Verwandtschaft angucke, trifft das auf sie zu.

Ein Tantentag wäre auch gut.

Analog zum Muttertag wäre ein Tantentag gut.

Meine gute Tante hätte einen solchen Tag verdient. Ich werde ihr nie vergessen, wie sie und ihr Mann (mein Onkel, Bruder meines Vaters) damit umgingen, als ich ihnen von meinem Vater (mit dem ich so überhaupt nicht klar kam) berichtete. Das war, soweit ich das erkennen kann, regelrecht Benchmark. Die beiden haben das einfach angenommen, ohne irgendwie zu polarisieren oder meinem Vater davon übel gesinnt zu sein oder wie auch immer. Und sie haben drüber nachgedacht. Gerade meine Tante hat dann ihre eigenen Fragen an mich gestellt und festgestellt, dass ich mit meinem Vater einfach überfordert war.

So etwas kannte ich sonst nicht. Da war immer Polarisierung, keine Sachlichkeit. Das hat so in der Seele gut getan.

Hoch die beiden, hoch die Tante!