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Meine erste Strickanleitung: Die Fäustlinge „Herzband“

Wie jedes Jahr stricke ich auch dieses Jahr wieder bunte Fäustlinge für den guten Zweck, für Obdach e.V.. Sie werden am Samstag, den 29.11. auf dem Adventsmarkt der guten Taten auf dem Ebert-Platz verkauft und an den weiteren Adventssamstagen auf dem Wilhelmsplatz in der Weststadt.

Weil der Wunsch aufkam, dass ich ein bisschen grössere Handschuhe stricke (meine eigenen Hände haben einen Umfang von 18cm ohne Daumen, das ist ein bisschen wenig), weil auch der Wunsch nach einem nordischen Muster laut wurde, Sterne aber oft genug ein Gefuddel sind, so habe ich mir gedacht, stelle ich mir meine eigene Anleitung her.

Die Fäustlinge "Herzband".
Die Fäustlinge "Herzband".

„Herzband“ heissen sie nun, sehen herzig aus, sind für Hände mit einem Umfang von 19cm ohne Daumen gedacht (das ist üblicher als meine 18cm) und ich hoffe, sie kommen gut an. Das bisherige Feedback ist ein gutes.
Ich habe sie heute auf „ravelry“, dieser internationalen Strick- und Häkelcommunity als freie Anleitung veröffentlicht als Herzband. Bisher auf deutsch, aber ich denke daran, sie auch auf englisch zu veröffentlichen.

Der erste Flickversuch mit auffälliger Stickerei.

Meinen ersten Flickversuch mit auffälliger Stickerei habe ich an einem grau-purpurnen Pullover versucht.

Mit Sicherheitsnadel markiertes Loch.
Mit Sicherheitsnadel markiertes Loch.

Zuerst habe ich ihn auf links gedreht und gegen das Licht gehalten. Dann sieht man die Löcher besser. Die ausfindig gemachten Löcher habe ich je mit einer Sicherheitsnadel markiert. (Das mit den Sicherheitsnadeln ist ein Tipp von Erin Lewis-Fitzgerald in ihrem Buch „geschickt geflickt“, erschienen bei Stiebner.)

Zuerst wird gestopft.
Zuerst wird gestopft.

Dann habe ich mir zum Start ein kleines Loch gesucht und den Stickrahmen (Durchmesser 10,5cm) angebracht. Ich habe mich zum Stopfen als Grundlage entschlossen.

Grundmuster an der Passe.
Grundmuster an der Passe.

Analog zum Grundmuster, das aus lauter „bubbles“, also Blasen, besteht, habe ich versucht, eine ebensolche zu sticken. Innen drin ist das Gestopfte (das habe ich so gelassen), aussenrum habe ich mit Purpur im Steppstich ein Oval gestickt.

Ein purpurnes Oval sticken.
Ein purpurnes Oval sticken.

Dann den Stickrahmen wieder entfernt und die Enden vernäht. Sieht gar nicht so schlecht aus, v.a. wenn bedenkt, dass der Pullover zum Schluss, wenn ich alle Löcher versorgt habe, nochmal gewaschen wird und das Garn sich dadurch etwas aufpflustert.

Das Endergebnis.
Das Endergebnis.

Strickpullover kunstvoll flicken mit Stickerei.

Mein Entschluss: Ich werde meine selbstgestrickten Pullover kunstvoll flicken mit "Sticken auf Strick". Das gleichnamige Buch von Judit Gummlich inspiriert mich dazu. D.h. zuerst waren die unsäglichen Motten da. Ich hatte es schon vollkommen satt, immer diese Löcher zu stopfen (und den Motten hinterher zu sein). Das kann man gar nicht so stopfen, dass diese Löcher bzw. das Gestopfte nicht zu sehen sind.

Also ist Flucht nach vorn angesagt, ich mache die Stelle erst recht sichtbar mit kunstvollen Mustern. (Geht mal auf den Link zu dem Buch oben, das sieht schon toll aus, wenn man runterscrollt. Auch wenn ich selbst wohl eher graphische Muster zum Löcherflicken nehmen werde.)

Stickrahmen habe ich mir besorgt, zwei verschiedene. Einen „normal“ grossen und einen kleineren für die Ärmel. Stickvlies habe ich leider keines bekommen, nun muss es ohne gehen. Stickvlies heutzutage wird mit dem zu bestickenden Textil im Stickrahmen eingespannt. Dann stickt man auf beidem, wobei auf dem Stickvlies die aufgezeichnete/abgepauste Stickvorlage ist. Wenn die Stickerei fertig ist, wäscht man das Textil lauwarm aus, dann löst sich das Vlies in dem lauwarmen Wasser auf und ist nicht mehr zu sehen, nur noch die schöne Stickerei.

Ich hoffe, die Motten waren nicht allzu gefrässig. Sonst geht es mir wie vielen Leuten mit ihren Tätowierungen: Sie finden und finden kein Ende!

Hacks fürs Handschuhe (Fäustlinge) stricken.

Mittens in the making.
Mittens in the making.

Seit einigen Jahren nun stricke ich Handschuhe (Fäustlinge, keine Fingerhandschuhe) und was habe ich mich in der Anfangszeit schwer getan! Das sehe ich jetzt auch an einer Bekannten von mir, die Mühe hat, die Anleitungen zu verstehen. Das ist halt alles nicht so einfach wie beim Sockenstricken. Handschuhe sind Tüftelwerk, weil sie warm halten sollen und dazu müssen sie gut passen/sitzen.
Seit drei Jahren stricke ich "for charity". Das ist dankbar. Ich stricke sehr gerne Handschuhe - lieber noch als Socken -, habe aber alle Handschuhe, die ich brauche. Mehr brauche ich einfach nicht. Wenn man so für die Allgemeinheit strickt, dann wird es immer jemanden geben, dem sie passen (von der Grösse her). Und im Regelfall wissen es die Bestrickten zu schätzen, was sie da Gestricktes haben.

Handschuhe sind nämlich ganz empfindlich, was die Maschenprobe und die Maße betrifft. Das muss ganz genau sitzen. Da kommt es auf das Garn an, die Nadelstärke (mehr noch als beim Pulli) und wie fest oder locker gestrickt wird. Mein Eindruck ist - wenn ich die Preise für eine Handschuhanleitung mal so mit denen für eine Pulloveranleitung vergleiche -, dass es ungleich schwieriger ist, passende Handschuhe zu designen als einen Pullover.

Beim Stricken für den guten Zweck nehme ich gerne eine freie Anleitung (sie ist auf Englisch): the world's simplest mittens. Die kommt für verschiedene Garnstärken und verschiedene Grössen daher. Alles schon ausgerechnet. Man kann sie gerne pimpen mit Streifenmuster (wie bei mir im Bild) bzw. ist das eine dankbare Anleitung, wenn man Restewolle verstricken will.

tolles Buch: "Knit is for power"

Dieses Buch ist im Herbst diesen Jahres ganz neu im Frech-Verlag erschienen und heisst auf deutsch so etwas wie "Stricken steht für Kraft/Stärke". Darin schreiben 14 Strickdesignerinnen aus dem deutschsprachigen Raum, wie Stricken und die Strick-Community ihnen in ganz schweren Krisenzeiten geholfen haben.
Melanie Berg berichtet von ihrer Brustkrebs-Behandlung. Marisa Nöldekes erstes Kind hatte erst eine schwere Krankheit und starb dann aber als Baby an einem Krankenhauskeim (und das dritte Kind nun hat Trisomie 21). Veronika Hugs Mann war in der Corona-Zeit schwer herzkrank und lag in dieser Zeit monatelang auf der Intensiv-Station. Und so weiter.

Ein herzergreifendes Buch, das von vielen Strickanleitungen begleitet wird.
Ich habe es hier in der Stadtbücherei ausgeliehen, bin ins angrenzende Literaturcafé gegangen, um gleich darin zu schmökern und musste dann zusehen, dass ich nicht in aller Öffentlichkeit Rotz und Wasser heule, so ergreifend finde ich das Buch.

Was ich auch schön finde ist, dass es allgemein hinter die Fassade von irgendwelchen Diagnosen/Geschehnissen blicken lässt. Meist heisst es ja nur ganz kurz und lapidar, der oder die zum Beispiel sei herzkrank und im Krankenhaus. Durch Veronika Hugs Beitrag wird klar, was das für die Angehörigen bedeutet.
Und immer so weiter. Es heisst zwar im allgemeinen Sprachgebrauch immer, jeder habe sein Päckchen zu tragen, aber wer realisiert das schon?