In seinem Buch „Im Augenblick – Ein Wegweiser zu achtsamer Fotografie“ geht Paul Sanders auch auf Fotografierblockaden ein und wie man damit umgeht (Seiten 167 ff.).
Er empfiehlt sozusagen „locker vom Hocker“, also die Blockade einfach anzunehmen. Das nehme einen enormen Erwartungsdruck von einem, jede Menge Last. Man mache einfach was anderes in der Zeit.
Da spricht er mir aus dem Herzen.
Es soll Freude machen, kein Zwang sein.
Die Rosa-Tour ist auch nicht so einfach. Ich habe Rosa gewählt, weil das die Lieblingsfarbe einer Bekannten ist, die bald Geburtstag hat. Ich bin auf der Suche nach einem Geschenk und dachte mir, wenn ich so allgemein nach Rosa gucke, dann fällt mir was auf.
Pustekuchen, Rosa ist schwierig.
Der rosa Pulli einer Dame aus dem Kaffeekränzchen, das sich heute im Literaturcafé traf, lachte mich an, zumal die Dame mit den ihr umsitzenden anderen Damen lebhaft ins Gespräch vertieft war. Schönes Bild! Aber ich nahm nicht an, dass die Damen sich würden fotografieren lassen (zwei davon kannte ich flüchtig und ich schätzte sie nicht auf fotografierfreundlich ein).
Da fiel mir die Tischdeko auf den Tischen auf. Die ist fotografierfreundlich, das liess sich machen.
Wie bereits beschrieben, habe ich gerade als fotografische Achtsamkeitsübung die Farbe Gelb im Blick. Es ist gar nicht so einfach, etwas Gelbes zu finden, zumindest im Winter nicht. Ich habe verstanden, dass Gelb meistens als Signalfarbe benutzt wird. Zudem ist Licht gelb. Das Postauto ist gelb. Und Bananen sind es auch. Das aber sind rare Ausnahmen. Also halte ich bewusst Ausschau nach Licht, weniger nach Signalen, weil die weniger hergeben. Sie sagen: „Beachte mich!“ in ziemlich energischer Art. Dazu muss ich nicht achtsam sein.
Gestern konnte ich doch noch ein schönes Foto mit Gelb einfangen. Im
P11 – Café am Römerkreis hier in Heidelberg. Das Gelb der Lampe steht im Kontrast zur Kälte draussen, die man gut an dem Weiss, dem Grau und dem Blau erkennt. Drinnen dagegen, im Café, wo die Lampe steht und ihr warmes Licht abgibt, ist es wohlig warm.
Schöner Kontrast!
Viel war es nicht, gelb war es auch nicht.
Die Pflanze auf dem Fensterbrett bei Freunden hatte mich magisch angezogen. Sie sah so wachstumsfreudig aus. Sogar ein Blümchen war da zu sehen. Bisschen verwundert über das Blümchen war ich, weil ich dachte, das müsse eher lila sein, ganz anderer Wuchs und ganz andere Stelle. Egal, das weisse Blümchen ist süss. Also musste ein Foto her.
Beim näheren Hingucken habe ich gemerkt, dass das weisse Blümchen zur benachbarten Grünlilie gehört. Der Stengel ragte unauffällig zu Nachbarpflanze rüber und so bekam diese sozusagen eine Gastblüte.
Diese Übung beginnt, wie viele Achtsamkeitsübungen beginnen: Augen schliessen, auf den eigenen Atem horchen, in sich hineinhorchen. Fühlen und feststellen, was man gerade fühlt, ob Wut oder Glück oder Furchtsamkeit, …
Nun kommt Farbe ins Spiel. Man gibt diesem Gefühl eine Farbe, keine komplizierte. Man macht die Augen wieder auf und während des Tages guckt man so in seiner Umgegend herum, wo man überall diese Farbe sieht. Nicht drüber weghuschen, die Achtsamkeitsübung verlangt, dass man sich das näher anguckt. Wie das Licht darauf fällt zum Beispiel. Wie die Farbe wirkt.
Und irgendwann zückt man den Fotoapparat und fotografiert diese Farbe.
Diese Übung habe ich gestern gemacht, beginnend auf meiner Fahrt nach Mannheim. Ich beschloss, mein Gefühl verdiene die Farbe Gelb. Und musste feststellen, dass Gelb eine seltene Farbe ist, zumindest im Winter. Gelb sind Verkehrsschilder. Gelb war das wunderbare Licht gestern.
Und das war es dann. Zum Fotografieren bin ich nicht gekommen, denn ich habe hauptsächlich während der Fahrt diese Übung gemacht. Im Gespräch mit Freunden, die ich besucht habe, hatte ich nicht mehr daran gedacht.