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Umdenken, wenn ich Dinge aus der Nähe betrachten will.

Seit neuestem muss ich umdenken, wenn ich kleine Dinge aus der Nähe betrachten will. Bei mir schlägt die Altersweitsichtigkeit zu. (Es ist nicht allzu schlimm, aber ich habe mir doch eine Lesebrille beschafft, die ich noch selten einsetze. Aber ich setze sie ein.) Die Dinge halte ich mir besser nicht mehr dichter unter die Nase, denn davon werden sie nicht scharf. Das war früher. Heute muss ich sie etwas weiter weghalten, was mir (noch) kurios und nicht so ganz einsichtig vorkommt (Macht der Gewohnheit).

Vehemente Spam-Filterei von Gmail.

Oder auch: Zuviel des Guten.

Viele Nutzer haben ein Gmail-Konto. Ich nutze meines v.a. wegen eines Ehrenamtes von mir, weil wir gerne Google-Docs verwenden.
Das war alles immer sehr bequem, doch neuerdings stösst mir Google sauer auf. Es ist nicht mehr feierlich, wie vehement mittlerweile "Spam" gefiltert wird. (Ohne irgendwie Pieps zu machen, denn die Sachen sind nichtmal im Spam-Ordner, den ich ständig kontrolliere, zu finden.) Dinge, die eindeutig kein Spam sind. Mails, die sehr wichtig sind (wie man schon am Betreff erkennen kann). Harmlose Mails. Oder es wird zeitversetzt zugestellt (um mehrere Tage). Gestern kam eine Mail rein - als Phishing-Mail markiert, aber immerhin kam sie durch -, da teilte mir einer (vom Ehrenamt) seine neue E-Mail-Adresse mit. Hallo? Das ist doch wirklich harmlos! Irgendwie muss er sich doch melden. Wieso soll alles, das von einer neuen E-Mail-Adresse kommt (samt Adressmitteilung in der Nachricht) gleich ein Phishing-Versuch sein?

Mittlerweile ist mir ziemlich mulmig zumute und ich nutze zunehmend eine andere E-Mail-Adresse (auf die eigene Domain). Ich habe ein bisschen "gegoogelt" wegen der vehementen Spam-Filterei, aber nichts gefunden ausser dem, was ich eh schon wusste und was schon lange gilt.
Man kann über die Filterregeln ziemlich viel einstellen, aber in einem Ehrenamt, in dem ich viel mit anderen - und auch mir bis dato unbekannten Leuten zu habe - ist das Mist. Da kann ich keine Whitelist erstellen.

Mir reicht es ziemlich mit Gmail und ich werde so nach und nach daraus aussteigen.

"Wer kompliziert ist, wird gemobbt."

So die steile These eines Bekannten von mir, seines Zeichens Arbeitsrechtler.
Protestieren möchte man da, hört sich das doch plakativ und eindimensional an. Und nach victim blaming.

Er hat dann das Beispiel einer gemeinsamen Bekannten gebracht, auf die das passt. Sie ist sehr misstrauisch, dabei sehr kämpferisch eingestellt und kann raushauen, was das Zeug hält. Oftmals haben die armen Opfer dieser Person keine Ahnung, was sie ihr getan haben, denn sie ist nicht nur misstrauisch, sie hat auch ein langes Gedächtnis, das sie pflegt. Die meisten Menschen haben kein so langes Gedächtnis bzw. pflegen es auch nicht mit Hingabe. Sie hat sich dem Anti-Mobbing verschrieben, will nie wieder gemobbt werden.

Ja, da kommt dann meine These ins Spiel, dass, wenn es kompliziert wird, sich in der Regel keiner mit Ruhm bekleckert, denn schwierig ist schwierig. Wie miteinander auf einen grünen Zweig des Verstehens kommen? Wenn kaum oder kein Verstehen da ist, weil man zu unterschiedlich ist? Der eine das Glas tendenziell halb voll, der andere das Glas tendenziell halb leer sieht? Wenn also die persönlichen Unterschiede schon so gross sind, dass von Haus aus ein Zusammenkommen fraglich ist?

Ich selbst nehme deswegen das Wort Mobbing ungern in den Mund. Es ist zum Modebegriff geworden, und wird gerne auf Einzelvergehen angewendet, wenn einer sich zurückgesetzt fühlt, so meine Beobachtung. (Damit kann man wieder auf obigen, komplizierten Fall zurückgehen. Was macht man mit einer grundsätzlich misstrauischen Person?)

Dann ist mir das Wort Mobbing an sich schon zu Schwarz-weiss-Seherisch. Der Mobber ist schuldig, der Gemobbte unschuldig.
Ich sage, wenn es schwierig wird, bedeckt sich seltenst einer mit Ruhm. (Und wenn das dann mal so wäre, dann würde das keiner sehen, so meine Vermutung.) Ich plädiere dafür, erstmal wieder auf den Boden zu kommen, sich zu beruhigen. Und dann die Dinge anzugucken mit jemand Dritten, der ein gutes Urteil hat und differenziert denkt. Das Zusammenleben ist kein einfaches, schon gleich gar nicht am Arbeitsplatz, wo die unterschiedlichsten Leute aufeinander treffen.

#FaceTheDepression

Das ist ein Hashtag auf Twitter, den Ulf auf seinem Blog aufgegriffen hat. In diesem Fall zeigt er, dass eine Depression nach aussen gar nicht sichtbar sein muss. Drei Bilder zeigt er von sich, alle im Modus "freundlich" und "lächelnd". Er verlinkt dabei u.a. auf Spektrum, wo Lars Fischer in seinem Artikel auch nochmal auf den Hashtag und die "Happy Faces" eingeht. (Ulf selbst verlinkt zudem auf ein paar ältere Artikel von sich. Einer geht auf den Sog des Suizids ein. Die brutale Kehrseite des Lächelns und der Freundlichkeit.)

Die Aktion wirkt in mir. Zunächst denke ich an einen Bekannten, der mich dieser Tage ziemlich entsetzt hat. "Seltsam" kann man sein Benehmen - das ich hier nicht ausführen werde - nennen, um es wertfrei zu halten. Auch hier, ein an sich freundlicher Mensch. Doch irgendwas steckt dahinter, wenn ich auch nicht weiss, was. Depressionen könnten es vllt. sein, doch so gut kenne ich ihn nicht, dass ich dahinter blicken könnte.

Und dann führen mich meine Gedanken wieder weiter in meine Familie. Zu meinem Vater, dem Schauspieler. Dem es gar nicht gut ging, wobei mir aber niemand glauben wollte. Er war solch eine entsetzliche Belastung durch seine Schauspielerei. Nein, ich war und bin nicht co-abhängig, er hat sich seine Unterstützung einfach genommen. Einfach genommen. Man kann sich das als Nicht-Betroffener gar nicht vorstellen. Haarsträubend. Wie ein sehr zutraulicher Hund, der sich einem mit der Aufforderung "Kraul mich!" vor die Füsse schmeisst, sodass man nicht weitergehen kann, sondern kraulen muss, so war dieser Mann mit seiner Suche nach (der vermeintlichen) Unterstützung und Lösung seiner Probleme.
Dazu noch ein guter Link: Gemeinsam gegen die dunkle Wolke. Darin wird auch beschrieben, wie normale Probleme / Vorkommnisse vom Kranken als auslösend für die Depression (und damit beseitigenswert) gehalten werden. Obwohl sie es gar nicht sind. Quälend, ja, aber nicht ursächlich für die Depression.

Bei "agilean" werde ich zur Kabarettistin.

Oder fang das Heulen an. Je nachdem.
"agilean" ist - trotz der seltsamen Schreibweise - ein urdeutsches Wort. Ein deutsches Kunstwort. Ein Anglizismus, den es, genau wie das Handy (oder noch viel schlimmer), niemals im Angloamerikanischen Raum geben würde. Kein Englisch sprechender Muttersprachler würde je so seine Sprache verballhornen.
Diese Kunstwörter, die gibt es im Deutschen. Dieses hier ist zusammengesetzt aus "agile" und "lean". Etwa agiles Projektmanagement oder Lean Management. Begriffe aus der BWL. Die BWLer, das sind diese Trotzköpfe, nie erwachsen geworden sind, die es Mama und Papa zeigen wollen, wie gut sie die neuesten Methoden drauf haben und dass sie es so viel besser und effizienter können als die Altvorderen (die sollen sich am Besten schleichen).

Ich werde nie begreifen, warum die betreffenden Herren (Damen auch, aber etwas seltener) nicht zu ordentlicher Psychotherapie greifen, um weiterzukommen. Ein Zertifikat dieser diversen BWL-Theorien nach dem nächsten. Schön aufgereiht an der Wand, im Büro. Wenn man dann ordentlich viele zusammen hat, wird man zum Guru und macht die eigene Sekte samt Schule auf. (An der Wirtschaft hat man nichts verdient, also muss man seine Gläubigen schröpfen.)

Nein, ich werde sie nie verstehen.