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destruktive Lektüre

Oder: Wie verderbe ich es mir am Besten mit meinen Mitmenschen?

Der Klappentext verspricht "natürlich" anderes:
Nett sein war gestern, es ist Zeit für die Rhetorik-Disziplin der Extraklasse – schwarz, provokant und garantiert erfolgreich, um sich mal ganz egoistisch durchzusetzen, ob in Beruf oder Familie.


Hier müsste der Verlag - ähnlich wie bei Medikamenten das: "Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" - schreiben: "Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Psychotherapeuten, Seelsorger, ..."

Es geht um das Buch "dunkle Rhetorik" von Wladislaw Jachtchenko, als Taschenbuch erschienen bei Goldmann (ich habe es oben verlinkt).

Eine Anweisung, wie man sich den letzten liebenswerten Rest in sich selbst verdirbt.

Satz der Woche

Der Satz der Woche stammt von einem guten Kollegen (er hat ihn schon länger getan, aber das wird mein Leitsatz für die nächste Zeit). Er ist beinharter Realist, sehr logisch und hat einen köstlichen Humor.

Über kurz oder lang, gehn die Dinge ihren Gang.


Aus der Kategorie: Wie das Leben so spielt.

Lesen bildet.

Punktum. Und führt weiter im Leben.

Nathan zeigt es in seinem neuesten Artikel auf: #ichwillihnberuehren

Es geht um ein schwules Pärchen, wie sie unter (dem üblichen) Zittern und Zagen zusammenfinden. Es liest sich anscheinend sehr anrührend, aber wohl auch nachdenklich machend (lesen bildet!). Denn Nathan schreibt über diese Liebesgeschichte:

Neben der schönen Geschichte sind bei mir auch die Gedanken und die Angst von OJ zum Thema Schwu­len­hass hängen geblieben. Es macht mich traurig und wütend, dass das immer noch ein Thema ist. Was habe ich für ein Recht, Menschen ihr Glück, ihre Liebe zu versagen? Warum nicht lieben und lieben lassen? Tut es wirklich so weh? Was verliere ich dadurch — etwa ein men­schen­ver­ach­ten­des Weltbild?


Mir ging das vor Jahrzehnten mit dem Buch "goldene Zeiten" von Rita Mae Brown so. In "goldene Zeiten" geht es um Lesben. Und sie haben tolle Freundschaften. Das Ergebnis der Lektüre dieses Buches war, dass ich bis heute nicht verstehe, was an Lesben schlimm, böse, verwerflich, ... sein soll. Ich kann sie nicht verdammen, beim besten Willen nicht. Mir geht es genauso wie Nathan.

witzig-spritzig geschrieben: Lesen!

Das Buch "Männerphantasien" habe ich in der Stadtbücherei im Regal einfach nicht gefunden. Entweder war ich zu doof dafür oder jemand hatte es aus dem Regal genommen. (Ich gehe immer gut vorbereitet in die Stadtbücherei, schreibe mir den Buchcode raus und dann gehe ich zielgerade auf mein Wunschbuch zu.) Bei der Suche habe ich ein anderes Buch gefunden, das ich ausleihen wollte, und zuerst nicht gesehen habe: Margarete Stokowski: Die letzten Tage des Patriarchats, erschienen bei rowohlt.

Margarete Stokowski schreibt Kolumnen, erst in der taz, jetzt bei spon. Und diese Kolumnen sind so witzig-spritzig, man muss sie lesen. "Die letzten Tage des Patriarchats" ist eine Kolumnensammlung aus den Jahren 2011 bis 2018. Sie sind nicht nur witzig-spritzig, sie lockern das (dröge) Denken auf und erden.

Ein Beispiel: Die First Lady, also die Frau des Bundespräsidenten. Auf den Seiten 37 bis 39 setzt sie sich mit dem "Beruf" (eher: Ehrenamt) der First Lady auseinander. Die First Lady ist immer eine Frau, die immer an der Seite ihres Mannes steht, ihn immer stützt und nötigenfalls eine erfolgreiche eigene Karriere für ihn aufgibt (sobald er Bundespräsident ist) und sich nun in unbezahlter Care-Arbeit (Ehrenamt) aufopfert.
Im vorletzten Absatz stellt sie einige Alternativen als Denkansatz vor: Was wäre, wenn wir eine Bundespräsidentin hätten, was wäre dann mit dem Ehemann, würde der sich dann um Kinder und Kranke kümmern? Oder wenn ein Single, eine Lesbe, ein polyamorer Mensch, ... Bundespräsident würde? Die letzte Frage dazu von ihr: "Kriegt dann die AfD die Blutdrucksenker vom Staat?"

Wenn das mal nicht witzig-spritzig ist, dann weiss ich auch nicht.

Winterlichter im Luisenpark

Seit in paar Jahren gibt es im Luisenpark die Aktion "Winterlichter", so auch dieses Jahr wieder. Ich war mit Freundinnen dort und es war wunderbar entspannend. Wir hatten alle unsere Fotoapparate gezückt und verstanden uns gut. Chillige Lichter in der Dunkelheit, chillige und unaufdringliche Klänge, ein entspannender Abend, der einen die Aufregungen der Woche vergessen liess.

Tagsüber hatte es geregnet, sodass wir nicht sicher waren, ob wir uns überhaupt dort treffen sollen. Doch nach einem Blick auf den Wetterbericht haben wir es gewagt. Und wurden belohnt. Es klarte auf und blieb trocken, sodass wir einen feinen Abend erlebt haben.

Wir haben uns schon um 17 Uhr getroffen, damit wir an der Kasse nicht so lange anstehen mussten. So langsam brach dann die Dunkelheit herein:

Stuhl und Baum auf Anhöhe.
Noch vor Beginn des Leuchtens, das dann hinter der Anhöhe stattfand.


Zum Teil war es richtig gruselig. Hier die Illumination einer Hand über dem See, die nach uns greift. Ich fühlte mich an meine Gespensterlektüre der Gespensterjäger von Cornelia Funke erinnert.

Illumination einer Hand.
Illumination einer Hand über dem See.


Es waren etliche Leute unterwegs. Aber es ging, denn durch den Regen tagsüber waren nicht so viele gekommen, wie ich befürchtet hatte. Zudem ist der Park gross. Das sah schon toll aus, wie sich die Schatten zwischen den Lichtern bewegt hatten.

Schatten und Bäume.
Menschenschatten zwischen beleuchteten Bäumen.