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„Frau sein“ von Franziska Klein.

Franzi kenne ich von einem Besuch in meiner Gemeinde. Sie kam auf Einladung unserer Leiterinnen von Sisterhood, um über Freundschaft zu referieren. Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, brandneu ist ihr zweites nun herausgekommen: „Frau sein“.

Sie ist mit einem traditionellen Rollenbild aufgewachsen, in einer konservativen Freikirche und mit Migrationshintergrund. Im Theologiestudium (sie hat den Master) geht sie intensiv der Frage hinterher, wie Gott Frauen sieht. Sie kam nicht zurecht mit den Beschränkungen der traditionellen Rollenzuschreibung und war der Meinung, wenn Gott Gott ist, dann muss er doch was für Frauen übrig haben (so ganz salopp von mir gesagt). Und forscht nach.

Ich selbst nun – meine Leser wissen um meinen verqueren Familienhintergrund, unter dem ich sehr gelitten hatte – bin zwischen zwei Polen aufgewachsen. Mir war das nicht klar, aber als ich eines schönen Tages in meiner Verzweiflung bei einer Beratungsstelle war, da wurde ich gefragt, ob meine Mutter eine moderne und die Lebensgefährtin meines Vaters eine traditionelle Frau (gewesen) seien. Ich bin da zum ersten Mal auf die Unterscheidung getroffen. Ich bejahte die Frage, konnte mir aber nichts so recht darunter vorstellen.
Franzis Buch hilft mir auseinanderzuklamüsern, was das für Weltbilder waren. Das tut so wohl. Orientierung! Auflösung der Spannungen! Und natürlich von meiner Seite Absage an das traditionelle Rollenbild.

Ich habe meinem ehemaligen Pastor von diesem Buch erzählt. Er findet es „sehr cool“ und bat mich um eine Zusammenfassung.

Buch zu Neurodivergenz: „anders richtig – richtig anders“

Ein Buch zur Neurodivergenz habe ich mir zugelegt. Weil ich finde, Neurodivergenz ist ganz schön weit verbreitet und wir Menschen sollten nicht in höher, weiter, schneller denken, sondern uns darin üben, mit Verschiedenheit umzugehen.
„anders richtig – richtig anders“ ist eine Empfehlung meiner Buchhandlung. Neugierig geworden, habe ich erst im Internet gesucht (es ist bei Hanser erschienen, die Autorinnen sind Kathrin Köller und Irmela Schautz), dann bin ich zu meiner Buchhandlung, um mindestens einen Blick hineinzuwerfen. Zum Kauf entschlossen, bin ich dann zur Theke. Kurzer small talk mit einer der Buchhändlerinnen über das Buch (sie sagte mir, es sei eine Empfehlung einer ihrer Kolleginnen und das Buch helfe wirklich). Und jetzt ist das mein Buch.

Ganz schön gehaltvoll.

Es fängt mit Begriffserklärungen an. Begriffserklärungen zu Neurodivergenz, Neurodiversität, … (mir brummt ein bisschen der Kopf). Es heisst, dass verschiedene Hirne verschieden ticken. Davon ist man nicht schlecht. Sie führen auch Zahlen auf, die ich im Moment beim schnellen Durchgucken nicht mehr finde, aber ich sag mal, so anders tickende Hirne gibt es zu 20-30% in einer Gesellschaft, also Leute mit ADHS, Autismus, Synästhesie und was nicht alles.

Es ist keine medizinische Abhandlung, sondern ein Buch zum Empowerment. „selbstbewusst neurodivergent“ steht auf dem Cover. Und so kommen auch betroffene Personen zu Wort mit ihrem (Leidens-)Weg. Hilft Selbstdiagnose oder nicht, ist eine der Fragen, die besprochen werden. Oder: Wer kann überhaupt Diagnosen stellen? Nicht der Laie, immer nur der Spezialist.

Durch das Lesen des Buches werde ich nicht zur Spezialistin, aber mir wird bewusster, was es so alles gibt. Der Slogan „Es ist normal, verschieden zu sein“ ist so treffend. Das kann man sich merken. Ich weiss (noch) nicht, ob er auch im Buch vorkommt, aber ich weiss, dass es trifft. Oder ein Buchtitel (das Buch selbst habe ich nie gelesen): „Jeder ist normal, bis Du ihn kennenlernst“.

„Knit is for power“

Dieser Buchtitel gilt auch für mich. Derzeit stricke ich wenig bis gar nichts, weil ich allgemein im Landeanflug auf die Normalität bin. Ich brauch das Stricken nicht mehr, um mich festzuhalten, mich zu beruhigen, was Produktives zu schaffen, … Mir wird immer leichter ums Herz. Viel zu viel Wolle steht hier in der Wohnung rum, finde ich nun, und diese Unmassen an Literatur dazu! Aber hergeben mag ich auch nichts. Es ist mir alles sehr ans Herz gewachsen.

Ich lese zum wiederholten Male „Die Liebe an miesen Tagen“ von Ewald Arenz. Letztens habe ich ein Interview mit ihm gehört, das hat mich wieder zu dem Buch gebracht. In diesem Interview habe ich erfahren, dass er schon etliches Dramatisches (und schon früh) in seinem Leben erfahren hat. So lese ich das Buch mit einem etwas anderen Verständnis. Mich hatte diese unbedingte Dramatik gestört. Ich dachte, man müsse es ja nicht bis zum Äussersten treiben (doch, es gibt ein Happy End!), aber das sind halt seine Lebenserfahrungen. Das stimmt mich versöhnlicher. Das Buch ist ziemlich aus dem Leben gegriffen (bis auf ein paar kleinere Klischees – nun ja, so ist das halt) und es macht Spass, es zu lesen.

So ist das mit dem Landeanflug auf die Normalität.
Ein bisschen denke ich noch an das jahrzehntelang gewesene Verquere und schüttel so für mich in den Kopf und hoffe, es kommt nichts mehr auf mich zu. Aber im Grossen und Ganzen wird mir immer wohler.

Orientierung

Momentan lese ich Gerald Hüthers Buch „Biologie der Angst“. Petra hat mich darauf gebracht bzw. überhaupt auf Gerald Hüther, der nun weiss Gott kein Unbekannter ist. Er ist auch immer wieder in Heidelberg und hält einen Vortrag im DAI. Aber ich habe mich nie gekümmert. Nun habe ich doch mal in der Online-Bibliothek der hiesigen Stadtbücherei gekramt und bin fündig geworden. Weniger wegen des Obertitels „Biologie der Angst“, sondern wegen des Untertitels „Wie aus Streß Gefühle werden“.

Stress hatte ich in meinem Leben sehr viel. Ich hab es oft genug geschrieben, er war familiär bedingt (meine Güte, war ich mit dem familiären Mist überfordert, der weit über die Familie rausging – es hatten sich etliche Nicht-Familienmitglieder eingemischt, blindlings, …) Seit 2017 ist Ruhe (jedenfalls mir direkt gegenüber).

Der Landeanflug in die Normalität ist nicht so einfach. Man ist nicht von heute auf morgen ruhig oder stressfrei. Der Stress wirkt nach. Und immer, wenn sich etwas vom Stress verloren hat, dann hat sich die Perspektive (und damit auch das Gefühl) auf was auch immer verändert. Ich hatte nicht verstanden, was da mit mir passiert, was wiederum mindestens Unsicherheit bis hin zu Stress bewirkt hat. Gerald Hüther gibt mir in seinem Buch Orientierung, sodass ich mich wieder wohlfühle.

Er schreibt sehr schön und sehr verständlich, hängt sich rein beim Erklären und Veranschaulichen, sodass auch der Laie versteht. Wie bei dem Buch über FASD lasse ich das einfach mal sich setzen. Das tut wohl!

ernste Lektüre: "Und ich -"

Und ich - 20 Geschichten über Wendepunkte des Lebens ist eine ernste Lektüre, nicht so leichtgängig, wie ich mir das erwartet hatte. Es sind Frauengeschichten. 20 Frauen, die von Wendepunkten in ihrem Leben erzählen.

Ich dachte, der Ernst von was auch immer Krisenhaftem läge in der Vergangenheit, nun geht es mit Schwung in die Zukunft. Aber das, was ich bisher gelesen habe, ist ernst. Zsuzsa Bánk etwa schreibt auf Seite 120:
Ja, ich war das Opfer von Gewalt. Ja, es stimmt, es ist wahr, es ist richtig, es gibt nichts zu beschönigen, nichts kleinzureden. Ich war es. Und nein, ich habe nichts dagegen getan, nichts unternommen. Ja, ich habe es zugelassen.
Das ist keine Kost, die man einfach so konsumiert. Es sind 20 Geschichten, mindestens nach jeder halte ich inne, lege das Buch erstmal weg und lasse es sacken.

Da war das Buch "Knit ist for power" doch etwas anderes. "Knit ist for power" ist empowerment, "Und ich -" ist nachdenklicher. Beim ersten habe ich Rotz und Wasser geheult, das zweite muss ich, wie gesagt, immer wieder weglegen. Die starke Frau wird hier nicht zelebriert (was ich an sich gut finde, endlich mal dem Schema von der starken Frau zu entkommen). Es ist einfach nachdenklich, ehrlich, realistisch.