Diese Übung beginnt, wie viele Achtsamkeitsübungen beginnen: Augen schliessen, auf den eigenen Atem horchen, in sich hineinhorchen. Fühlen und feststellen, was man gerade fühlt, ob Wut oder Glück oder Furchtsamkeit, …
Nun kommt Farbe ins Spiel. Man gibt diesem Gefühl eine Farbe, keine komplizierte. Man macht die Augen wieder auf und während des Tages guckt man so in seiner Umgegend herum, wo man überall diese Farbe sieht. Nicht drüber weghuschen, die Achtsamkeitsübung verlangt, dass man sich das näher anguckt. Wie das Licht darauf fällt zum Beispiel. Wie die Farbe wirkt.
Und irgendwann zückt man den Fotoapparat und fotografiert diese Farbe.
Diese Übung habe ich gestern gemacht, beginnend auf meiner Fahrt nach Mannheim. Ich beschloss, mein Gefühl verdiene die Farbe Gelb. Und musste feststellen, dass Gelb eine seltene Farbe ist, zumindest im Winter. Gelb sind Verkehrsschilder. Gelb war das wunderbare Licht gestern.
Und das war es dann. Zum Fotografieren bin ich nicht gekommen, denn ich habe hauptsächlich während der Fahrt diese Übung gemacht. Im Gespräch mit Freunden, die ich besucht habe, hatte ich nicht mehr daran gedacht.
Von einer guten Freundin habe ich das Fotobuch „Im Augenblick – Ein Wegweise zu achtsamer Fotografie“ von Paul Sanders, erschienen bei
Prestel, zu Weihnachten erhalten.
Ich lese es Stückchen für Stückchen, denn ein Buch über Achtsamkeit ist nicht zum Drüber-weg-Huschen gedacht. Die Übungen wollen mit Bedacht gemacht und eingeübt werden.
Da steht zum Beispiel auf Seite 25 unter anderem:
Kümmern Sie sich nicht darum, großartige Bilder zu machen, sondern fotografieren Sie einfach die Momente, die Sie entdecken.
Das bestärkt mich in meiner „Zufallsfotografie“. Oder, wie ein Freund aus der Fotogruppe es ausdrückt: „Stillleben kannst Du!“ Das sagte er unter anderem bei dem Bild mit der Tulpe.
Ich saß da in einem sehr netten Café, dem Heart&Soul. Es war relativ leer und ich konnte so rumgucken und die Atmosphäre geniesssen. Dabei ist mir die Tulpe in der Vase auf dem Tisch aufgefallen. Das Foto hängt mittlerweile in gross („gross“ ist dabei 30x30cm) im manna-Café in der Plöck in der Fotoausstellung (Titel der Ausstellung: „Auf der Suche nach dem Licht“).
Das Heart&Soul ist an sich schon atmosphärisch, aber diese einzelne Tulpe, die sich dem Licht zuneigt (links ist ein grosses Fenster), die hat mich angezogen.
Das war also ein achtsames Vorgehen. Ich habe mein Umfeld auf mich wirken lassen, war offen, aufmerksam, hatte meine Ruhe. So ein Bild hätte ich mir vorher nicht ausdenken können. Achtsame Fotografie.
Wie jedes Jahr stricke ich auch dieses Jahr wieder bunte Fäustlinge für den guten Zweck, für
Obdach e.V.. Sie werden am Samstag, den 29.11. auf dem Adventsmarkt der guten Taten auf dem Ebert-Platz verkauft und an den weiteren Adventssamstagen auf dem Wilhelmsplatz in der Weststadt.
Weil der Wunsch aufkam, dass ich ein bisschen grössere Handschuhe stricke (meine eigenen Hände haben einen Umfang von 18cm ohne Daumen, das ist ein bisschen wenig), weil auch der Wunsch nach einem nordischen Muster laut wurde, Sterne aber oft genug ein Gefuddel sind, so habe ich mir gedacht, stelle ich mir meine eigene Anleitung her.
„Herzband“ heissen sie nun, sehen herzig aus, sind für Hände mit einem Umfang von 19cm ohne Daumen gedacht (das ist üblicher als meine 18cm) und ich hoffe, sie kommen gut an. Das bisherige Feedback ist ein gutes.
Ich habe sie heute auf „ravelry“, dieser internationalen Strick- und Häkelcommunity als freie Anleitung veröffentlicht als
Herzband. Bisher auf deutsch, aber ich denke daran, sie auch auf englisch zu veröffentlichen.
Franzi kenne ich von einem Besuch in meiner Gemeinde. Sie kam auf Einladung unserer Leiterinnen von Sisterhood, um über Freundschaft zu referieren. Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, brandneu ist ihr zweites nun herausgekommen: „Frau sein“.
Sie ist mit einem traditionellen Rollenbild aufgewachsen, in einer konservativen Freikirche und mit Migrationshintergrund. Im Theologiestudium (sie hat den Master) geht sie intensiv der Frage hinterher, wie Gott Frauen sieht. Sie kam nicht zurecht mit den Beschränkungen der traditionellen Rollenzuschreibung und war der Meinung, wenn Gott Gott ist, dann muss er doch was für Frauen übrig haben (so ganz salopp von mir gesagt). Und forscht nach.
Ich selbst nun – meine Leser wissen um meinen verqueren Familienhintergrund, unter dem ich sehr gelitten hatte – bin zwischen zwei Polen aufgewachsen. Mir war das nicht klar, aber als ich eines schönen Tages in meiner Verzweiflung bei einer Beratungsstelle war, da wurde ich gefragt, ob meine Mutter eine moderne und die Lebensgefährtin meines Vaters eine traditionelle Frau (gewesen) seien. Ich bin da zum ersten Mal auf die Unterscheidung getroffen. Ich bejahte die Frage, konnte mir aber nichts so recht darunter vorstellen.
Franzis Buch hilft mir auseinanderzuklamüsern, was das für Weltbilder waren. Das tut so wohl. Orientierung! Auflösung der Spannungen! Und natürlich von meiner Seite Absage an das traditionelle Rollenbild.
Ich habe meinem ehemaligen Pastor von diesem Buch erzählt. Er findet es „sehr cool“ und bat mich um eine Zusammenfassung.
Ein Posting zu den
BlogWochen2025.
Was ich aus meinem Blog heraushalte:
- Die Arbeit. Das ist für mich tabu, nicht nur, weil ich eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben habe. Ich schreibe von der Arbeit höchstens so etwas wie (das ist ein frei erfundenes Beispiel) ein Kollege habe mir Tipps für Getreidekaffee gegeben. Solche harmlosen Small-Talk-Dinger schreibe ich, aber auch die höchst selten.
- Konflikte mit Personen aus meinem Umkreis. So etwas ist direkt zu klären. Der Umweg übers Blog wäre kontraproduktiv. Einzige Ausnahme: Mein Vater, weil das gar zu haarig war. Und zu viele Aussenstehende involviert. Da war eh nichts privat. Ich habe es deswegen für besser gehalten, meine Stimme zu erheben.
- Was mir im Vertrauen erzählt worden ist. Im Vertrauen erzählt ist im Vertrauen erzählt. Das gehört nicht an die Öffentlichkeit.